Bewusst Abschied nehmen

Er gehört dazu und doch tun wir uns schwer damit. Planen Sie Ihren Abschied schon zu Lebzeiten - nicht anonym - nicht "von der Stange" - sondern als Ihren Abschied. Das hilft auch Ihren Angehörigen von Ihnen Abschied zu nehmen und vermeidet Ärger und Probleme.

Die Bestatter des Tischlerhandwerks - NRW wollen Sie informieren, Ihnen Hilfestellungen anbieten, wie Sie ganz praktische Probleme angehen können und welche Möglichkeiten Sie haben.

Vielfalt statt Einfalt

Studienfahrt der Fachgruppe Bestatter auf dem Melatenfriedhof

Melatenfriedhof 2011Die diesjährige Studienfahrt der Fachgruppe Bestatter ging auf den berühmten Melatenfriedhof in Köln. Jeder, der in Köln was auf sich hält, lässt sich dort beerdigen – und das möglichst als beeindruckendes Denkmal. Herr Lejeune von der Friedhofsverwaltung konnte die Teilnehmer mit viel Engagement über die verschiedene Promis informieren. Neben dem Ehrenbürger Millowitsch findet man auch Größen wie den Schah von Persien oder wichtige Bankiers wie Oppenheim oder Deichmann. Aber Tradition ist ja auch eine Last. Viele der sehr beeindruckenden Grabstätten können nicht mehr von den Familien bzw. der Stadt angemessen unterhalten werden. So hat man in Köln die Möglichkeit geschaffen, eine entsprechende Patenschaft zu übernehmen. Damit verbunden ist die Verpflichtung, das Grab wieder angemessen herzurichten. Dafür kann man es dann auch als eigene Grabstätte nutzen – mit dem entsprechenden Flair.

Aber trotz all der Berühmtheiten hat auch Melaten damit zu kämpfen, dass sich die Bestattungskultur ständig verändert. Wo vor 10 Jahren noch jährlich 1000 Beerdigungen stattfanden, sind es heute nur noch 700 – da muss man was tun und sich auf den Kunden einstellen. Die recht beeindruckende Antwort darauf sind sogenannte Kooperationsgräber. Friedhofsgärtner und Steinmetze biete damit gartenähnliche Bereiche für jeweils 10 – 20 Grabstätten an. Jeder Bereich ist in sich gemeinsam gestaltet und wird von der Genossenschaft über die Ruhezeit der Grabstätten gepflegt. Die einzelnen Bereiche variieren aber deutlich und erzeugen damit eine erstaunliche Vielfalt – man fühlt sich als Besucher wie in einem abwechslungsreichen großen Garten. Es gibt sogar die Möglichkeit der "Seebestattung" in einen kleinen Teich. Reihengräber wurden inzwischen ganz aus Melaten verbannt.

Dekorgrab MelatenfriedhofAuch für die Friedhofsverwaltung hat dies viele Vorteile, die Pflege der Gräber damit auch die Standsicherheit der Grabsteine ist über gesamte Laufzeit geklärt. Der Ärger mit heruntergekommenen Einzelgräbern lässt sich damit vermeiden. Es gibt inzwischen sogar das sogenannte Klappgrab. Darunter wird ein Grab mit einem Grabstein verstanden, der bei Bedarf heruntergeklappt werden kann auf das Grab und dann als Grabplatte wirkt – und entsprechend die Grabpflege deutlich vereinfacht. Viele Erdgräber werden zudem auch als Grabkammer ausgestaltet. Damit gehen deutlich kürzere Ruhezeiten einher mit entsprechend weniger Pflegekosten.

Trotz aller guten Ansätze, die Lebendigkeit und Vielfalt auf dem Friedhof zu erhalten zeigt sich auch auf Melaten, dass im Bereich der Friedhofshallen alles beim Alten bleibt – aus Mangel an Geld. Hier müssen die Bestatter schon immer etwas zaubern, um den in die Jahre gekommenen recht dunklen Raum angemessen für die Trauerfeier herzurichten. Umso verständlicher daher der auch in Köln klar erkennbare Trend, dass die Bestatter zunehmend ihre eigenen Trauerhallen und Abschiedsräume den Angehörigen anbieten.

Herr Lejeune von der Friedhofsverwaltung sieht den Anspruch des Friedhofs darin, dass er die Vorstufe zum Paradies ist. Etwas davon kann man sicherlich schon auf Melaten erleben. Der Friedhof ist einfach mehr als nur eine letzte Ruhestätte. Er ist auch für die Allgemeinheit ein Ort, der etwas über die Vielfalt des Lebens erzählt – und da können auch die Bestatter ihren Beitrag dazu leisten.